Artikel zur Inspiration
"Paradieshafen", "Meerwiese", "Goldennest" - eine Kostprobe der weichen, schonischen Namen. "Keine Landschaft in Schweden kann mit Skåne verglichen werden, und in ganz Europa steht keine bessere zu finden", schrieb einst der schwedische Wissenschaftler Carl von Linné, verführt von Skånes Klima und Artenreichtum. Auch jemand, der heute Skåne besucht, wird finden, daß Skåne eine Provinz der Kontraste ist: Schwedisch, ein wenig dänisch, aber am allermeisten - schonisch.
Hier ist Schweden wieder mit Dänemark verbunden worden, diesmal dank einer Brücke. Hier trifft Flachland auf Waldgegend, Sie finden Schlösser und Katen, mittelalterliche Gassen und Großstadtleben. Hier wird Wein gebaut, und Sie finden Saatkrähe auf der Speisekarte. Sie können sich von einem UFO faszinieren lassen oder einen Vulkan hochklettern, und Golf spielt man das ganze Jahr hindurch.
Grenzend an drei Meere - das Kattegatt, den Öresund und die Ostsee - ist die über 500 Kilometer lange Küste niemals weit weg - an manchen Stellen wütend und scharfgezähnt, an anderen zärtlich und weich. Landeinwärts, nach Norden, übergeht die Landschaft in tiefe Wälder und Seen. Alle schwedische Naturtypen, außer Gebirge, sind auf dieser kleinen Fläche, die Skåne genannt wird, zu finden.
Und vergessen Sie nicht zu klettern! Von Romeleklint auf dem Bergrücken von Rommel (Romeleåsen) aus, ist fast ein Viertel von Skåne zu sehen.
Das größte und tiefste Gewässer Skånes ist der See Ivösjön. Hier liegt Ivön, die Ivö-Insel, mit ihren wertvollen Schichten aus Kalkstein und Kaolinerde. Wissenschaftler, die das Gebiet gründlich erforscht haben, haben neulich Fossile eines Mosasauriers gefunden - dem raubgierigsten Wasserraubtier der Welt. Der Körper war etwa 17 Meter lang und sah aus wie eine Kreuzung aus Schlange und Krokodil. Gott sei Dank verschwand er vor etwa 60 Millionen Jahren aus Skåne.
Bis zu 1658 und dem Frieden in Roskilde war Skåne ein wichtiger Teil des dänischen Reiches. Im Mittelalter war es hauptsächlich der Heringsfang, der dem König Geld einbrachte. Zentrum dafür war Skanör-Falsterbo - dort gab es so viel Fisch, daß er aus dem Wasser geschöpft werden konnte. Im Frühling und im Herbst wohnten etwa 40 000 Menschen an den Ufern, was dies zum größten Markt Skandinaviens machte.
Die Geschichte hat deutliche Abdrücke in der Landschaft hinterlassen. Unzählige Schlösser, Städte und Kirchen erinnern an die dänische Zeit. Laut der Legende des Riesen Finn, und dem Verzeichnis der Könige von König Niels, hat man um Jahr 1100 angefangen, den Lunder Dom zu bauen. Im Hovdala Schloß sind noch heute Kugellöcher zu sehen -Spuren von den Fehden mit den Schnapphähnen, die damals auf der dänischen Seite kämpften.
In Kristianstad steht die "Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit" (Heliga Trefaldighetskyrkan), die einmal als der schönste Renaissancetempel Nordens benannt wurde. Steffen Timme, der letzte dänische Kommandant der Stadt, mußte Dänemarks Verlust Skånes nicht mit ansehen - er starb am siebten Februar 1658. Neun Tage später schloss man den Frieden in Roskilde.
Archäologische Funde führen den Besucher noch länger in die Zeit zurück - Dolmen, Runensteine, Gräber. 58 aufgerichtete Steinblöcke bilden die mächtigen Ale Steine bei Kåseberga. Ein Grab oder ein astronomischer Kalender? Die Meinungen sind geteilt.
Die kurzen Abstände machen Skåne perfekt für eigene Entdeckungsfahrten - radeln, bummeln, erleben Sie. Genießen Sie es, in einer Provinz zu sein, wo Leute eine intensive Liebesbeziehung zu Essen und Rohstoff haben. Gelobte Restaurants, die Ihren Appetit sicherlich anregen werden, finden Sie überall.
Halten Sie in einem der kleinen Fischerdörfer an, die um die Jahrhundertwende zu reichen Reederorten wurden. Arme Fischer wurden wohlhabende Reeder und Schiffer als das Handelsprivilegium der Städte aufhörte. Brantevik war sozusagen die Nabe der Schiffahrt. Als der Warenverkehr am intensivsten war, ankerten 118 Segelschiffe in dem kleinen Hafen. Viele Erinnerungen dieser Zeit sind im Brantevik Schiffahrtsmuseum aufbewahrt.
Spazieren Sie über wilde Strandwiesen oder in stramm beschnittenen Schlossgärten. Streifen Sie in Fyledalen, wo der Boden mit Schlüsselblumen, Küchenschellen und Mehlprimeln übersät ist. Oder vielleicht besuchen Sie Falsterbonäset, wenn die Zugvögel die Luft füllen. Falls Sie Glück haben, können Sie am Strand Bernstein finden, der von stürmischen Wellen an Land gespült wurde und darauf wartet, gesammelt zu werden, wenn der Wind abflaut...
Ein Astronom namens Tycho Brahe machte viele von seinen himmlischen Beobachtungen von der Insel Ven aus. Vor über 400 Jahren formte sich hier das Planetenbild, das viele von uns heute für selbstverständlich halten. Brahes "Sternenburg" (Stjärneborg) gibt es lange nicht mehr, aber Teile des Observatoriums stehen noch immer. Mit den Weinbauten, dem Durumweizen und den rosa Malven von Backafall könnte man sich vorstellen, Ven sei eine kleine Mittelmeerinsel, die sich losgerissen hat und in nördliche Gewässer getrieben ist. Am einfachsten ist es, sich mit Hilfe eines der gelben Fahrräder auf Ven umzusehen.
Die Bjäre-Halbinsel (Bjärehalvön) und die Kulla-Halbinsel (Kullahalvön) bieten beide eine Menge Erlebnisse. Båstad, die Tennisstadt wo im Juli die Worldchampions die Spielpläne betreten. Die Gärten von Norrviken. Hallands "Wetterinsel" (Väderön), wo Vögel und Robben den Platz teilen. Vielleicht übernachten Sie in dem alten Gebäude eines Leuchtturmwärters. In Ängelholm wird das Sportauto "Koenigsegg", das die Auszeichnung "Ausgezeichnete schwedische Form" erhalten hat, hergestellt. Ängelholm hat auch ein eigenes Raumschiff - wenn auch im Maßstab 1:16. Mölle, mit Erinnerungen einer sündigen Jahrhundertwende, eine Zeit wo die Bademode gestreift war und das Schwimmen gewagt gemeinsam - Frauen und Männer zusammen. Nicht weit weg liegt Kullaberg. Hierhin kommen Bergsteiger, Kinderfamilien, Golfer, Besucher zu der winzigen "republikanischen Monarchie" Ladonien, oder Leute die sich einfach nach frischer Luft sehnen.
Wer von der Küste abweicht und landeinwärts fortsetzt, findet Wälder, Seen, Fisch- und Vogelgebiete. Die zwei Wasserfälle bei Forsakar bieten dem Besucher ein Stück dramatische schonische Natur. Um die Strandwiesen und die Natur bei dem kleinen Fluß Helgeån zu bewaren, ist das "Ökomuseum Kristianstad Wasserreich", eine 35 Kilometer große Wasserlandschaft mit Sumpfwäldern, Schluchten und Mooren, entstanden. Mit Hilfe von Laufstegen, oder mit Boot, kann der Besucher die nasse Umgebung und dessen Einwohner erforschen.
Malmö, Helsingborg, Lund und Kristianstad sind die größten Städte in Skåne, jede einzelne mit ihrem eigenen Charakter. Universitäten, Roulettetische, Musik, Restaurants, Geschäfte und Großstadtgefühl. Hier liegen auch viele der Unternehmen, die von dem Projekt "Medicon Valley", eine Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Unternehmen in der Öresundregion, umfasst werden. "Medicon Valley" hat einer der stärksten Gebiete Europas für Forschung im Bereich Biotechnik und Arzneimittel geschaffen. Einige der Unternehmen sind im Forschungsdorf "Ideon" in Lund, ein Treibhaus für neue Ideen und Produkte, entstanden.
Auch Kunst und Kultur sind in Skåne vertreten. Die Malmö Kunsthalle hat einen der größten Räume Europas für moderne Kunst. In Helsingborg ist das Kulturhaus "Dunker" und in der Lunder Kunsthalle ist der Eintritt frei, und in Kristianstad werden diesen Sommer Installationen zum Thema "Zeit" gezeigt.
Sollte Ihnen das Großstadtleben zu viel werden, wäre vielleicht eine Alternative ins Kloster zu gehen. Rund um Skåne gibt es mehrere, die Ihnen für ein paar Tage Ruhe bieten können.
Von Marie Skoglund
Posted at Wed, 04/28/2010 - 10:28

